Warum manche Fragen besser ungefragt bleiben sollten

Warum manche Fragen besser ungefragt bleiben sollten

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Gelegentlich genieße ich mein Leben in vollen Zügen, will sagen, ich fahre mit der Bahn. Da man ja nie weiß, wie unterwegs die Versorgungslage ist, bunkere ich meistens vorher im Bahnhofs-McGeiz meines Vertrauens (wir haben am Weimarer Bahnhof nicht so richtig viel Auswahl an Shops) noch ein Fläschchen Wasser – weil, Trinken ist ja gut für die Haut, und die ist schließlich keine Zwanzig mehr. Mein big moment des Tages findet dann stets an der Kasse statt: Bevor sie mich über den Preis meines Kaltgetränks aufklärt, fragt die nette Verkäuferin sowas wie „Brauchen Sie auch noch Lampenöl?“ Lampenöl? Ich stelle mir vor, wie ich mit der Literflasche orangefarbenen Lampenöls unterm Arm in den Zug nach Leipzig steige, lache und verneine. Ich weiß ja, dass die gute Frau nichts dazu kann, sie muss das fragen, weil irgendein kongenialer Marketing-Stratege herausgefunden hat, dass der Hinweis auf das Lampenöl im Sonderangebot die Verkaufszahlen desselben DRASTISCH in die Höhe schnellen lässt. Trotzdem: Wie bescheuert ist es bitte, Leute, die ganz eindeutig mit einem Rollköfferchen bewaffnet im Bahnhofsladen ein Getränk für die Reise erstehen, zu fragen, ob sie auch Lampenöl (oder Backtrennpapier oder Ordner im Sonderangebot oder, oder, oder…) kaufen möchten?

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Da dies aber nicht die einzige blöde Frage ist, die mir in meinen mittlerweile fünfzig Lebensjahren begegnet ist, habe ich für Euch mal eine kleine Liste mit meinen Lieblings-Blödfragen zusammengestellt:

 

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Darf’s ein bisschen mehr sein?

In jedem besseren Supermarkt ein Running-Gag, den Edeka damals mit ein paar sehr cleveren TV-Spots, in denen z.B. die Wurstfachverkäuferin zur Verblüffung der Kunden die Salami aufs Gramm genau abgwog, „verwurstet“ hat. Und die Antwort auf die Frage in der wirklichen Welt lautet fast immer „ja“, weil keiner sich die Blöße geben und gegenüber den anderen Wartenden in der Schlange an der Wursttheke als geizig gelten will. Aber natürlich war auch hier wieder ein Verkaufsstratege am Werk, der genau das wusste und deshalb der Verkäuferin eingetrichtert hat, lieber ein Scheibchen Schinken mehr auf die Waage zu legen, weil das den Umsatz steigert. Erwischt.

 

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Tut’s weh?

Stellt Euch vor, Ihr steht in der Teeküche im Büro und seid gerade mit der Stirn vor die offene Schranktür gerannt. Ihr versucht, nicht das Bewusstsein zu verlieren und auch nicht allzu laut zu schreien vor Schmerz. Ihr haltet Euch einen kalten Becher Joghurt an die Stirn und die Tränen zurück, da fragt von hinten Frau Hackbarth aus der Buchhaltung: „Tut’s weh?“ Ich finde, solche Fragen verdienen keine Antwort, auch wenn sie gut gemeint sind. Frau Hackbarth kann froh sein, wenn ihr nach dieser Frage nicht weh getan wird!

 

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War es in Ordnung?

Hier im Osten ein echtes Phänomen (ist mir in gastronomischen Betrieben in den alten Bundesländern ehrlich noch nie passiert!) ist die Frage der Kellnerin, während sie die Teller abräumt: „War es denn in Ordnung?“ Dabei macht sie ein Gesicht, dass man genau das anzweifeln möchte – nämlich, dass das Essen noch in Ordnung war. Die einzig wahre Antwort auf diese Frage lautet: „Das hoffe ich doch! Wenn ich morgen krank bin, komme ich übermorgen zurück und will den Koch sprechen!“

 

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Die absolute Knaller-Blödfrage ist aber folgende: „Habt Ihr’s gut gefunden?“. Wird gern gleich nach der Begrüßung gestellt, wenn man sich noch nicht lange kennt und nicht so genau weiß, was man sagen soll (logisch, denn bei jedem weiteren Besuch sollten sich die Gäste den Weg doch langsam eingeprägt haben). Ist trotzdem total überflüssig, weil, wenn die Besucher den Weg nicht gefunden hätten, wären sie ja nicht da. Und das „gut“ reißt es auch nicht raus, das relativiert das Ganze höchstens ein wenig.

Falls jetzt jemand findet, ich bin zu streng mit meinen Mitmenschen und deren mehr oder weniger doofen Fragen – mit mir selber bin ich es auch. Wenn ich mich dabei erwische, dass ich eine blöde Frage stelle, platze ich damit meist sofort heraus. Das macht die Frage zwar nicht schlauer, zeigt aber eine gewisse Selbsterkenntnis… ☺️

 

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2 Gedanken zu “Warum manche Fragen besser ungefragt bleiben sollten

  1. Noch einen Kracher von meiner Seite: ich hatte fürchterliche Magenkrämpfe, mir ging es so elend, dass die Nachbarin den Krankenwagen rief. Fand ich zwar übertrieben, aber anscheinend war meine Gesichtsfarbe eher grünlich. In der Notaufnahme dann ein recht junger Arzt, der sich mehrfach meine Angaben durchlas und dann fragte: „Geht’s Ihnen gut?“ Was soll man da sagen? Dann: „Stellen Sie sich mal darauf ein, dass wir Ihnen den Blinddarm rausnehmen.“ Ich hatte zwar in der Anamnese angegeben, dass ich keinen mehr habe, aber was soll’s? Ich wollte ihm den Spaß nicht nehmen, hatte aber irgendwie Angst, dass er etwas Dummes macht.

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