Hilfe, ich bin ein Best-Ager!

Hilfe, ich bin ein Best-Ager!

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Neulich hatte ich Geburtstag. Das erwähne ich jetzt nicht, um noch ein paar Glückwünsche abzugreifen, sondern weil es ein großer, runder und – nach Auffassung der Allgemeinheit – LEBENSVERÄNDERNDER Geburtstag war:
„Hi, mein Name ist Queen Mum und ich bin fünfzig.“ – „Hi, Queen Mum!“
Soweit das Geständnis. Freundliche, mir wohlgesonnene Zeitgenossen sagen an der Stelle immer: „Man sieht Dir Dein Alter gar nicht an!“ Danke, Ihr Lieben – Ihr seht mich ja nur selten am frühen Morgen. Und auch, wenn ich mich vielleicht faltentechnisch einigermaßen gut gehalten habe, ist doch die Diskrepanz zwischen dem, was in meinem Kopf stattfindet, zu dem, was ich im Spiegel sehe, gewaltig. Innen drin bin ich nämlich ziemlich genau dreißig Jahre alt. An manchen Tagen verwegene fünfundzwanzig, an manchen erwachsene fünfunddreißig. Irgendwo um diesen Zeitpunkt herum ist meine Selbstwahrnehmung stehen geblieben. Vielleicht ist ja das auch der Grund, warum wir unseren Kindern manchmal peinlich sind: Wir sehen alt aus, und benehmen uns dabei so, wie wir uns fühlen: relativ jung.

Als ich zwanzig wurde, war ich milde erstaunt, denn plötzlich war ich kein Teenager mehr und galt als erwachsen – obwohl ich tief in mir drin genau wusste, dass ich niemals erwachsen werden würde. Als ich so um die dreißig war, fing ich an, mich darüber zu wundern, dass mich jüngere Menschen häufiger mit „Sie“ ansprachen. Mein vierzigster Geburtstag war bisher der Schwierigste: Mir wurde klar, dass ich mich nun endgültig nicht mehr als twentysomething durchmogeln konnte und dass der Ernst des Lebens hinter der nächsten Ecke lauerte. Der bang erwartete fünfzigste Geburtstag war dagegen extrem schmerzfrei: Ich lag an einem italienischen Strand und fühlte mich keinen Tag älter als 35.
Ich habe mich selbst also definitiv jünger in Erinnerung, als ich bin. Das ist ein Dilemma, auch wenn Fünfzig ja angeblich das neue Vierzig ist. Dass alt zu werden definitiv nichts für Feiglinge ist, sagen mir meine Knochen. Da knirscht es hin und wieder ganz schön im Gebälk. Wenn ich die Schultern rotieren lasse, bin ich echt eine knackige Alte – aber nur wegen des fiesen Geräusches, das meine Schultern dabei machen.
Was mich jedoch wirklich geschockt hat, war die Entdeckung, dass ich plötzlich zu den so genannten Best-Agern gehöre! Ich erhielt den Auftrag, die Webseite für eine Seniorenmesse zu texten – Zielgruppe 50+. Als ich fröhlich mit dem Kunden darüber plauderte, fiel bei mir der Groschen und mitten im Satz die Kinnlade herunter: Ich gehöre dazu. Ich bin über 50 (zwar erst seit ein paar Wochen, aber immerhin). Ich bin das, was meine Kinder einen Grufti nennen. Ich bin ein Silver Surfer (obwohl ich jeden Anflug von Grau auf meinem Kopf natürlich sofort eliminiere!) – ach was, ich bin ein Golden Girl!
Damit muss ich nun wohl eine Weile leben, denn die Alternative ist so gar nicht nach meinem Geschmack. Also bleibt mir nur, die Situation mit Gelassenheit zu akzeptieren – eine der wenigen positiven Begleiterscheinung – und einzusehen, dass das Einzige, was gegen das Altwerden hilft, Humor ist, und eine gesunde Portion Selbstironie. Ich werde ab sofort weder mich noch den Rest der Welt allzu ernst nehmen. 
Wenn ich schon Falten kriege, sollen das wenigstens Lachfalten sein! 
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